Aufteilung gemischt veranlasster Reisekosten

Nach der früheren Rechtsprechung des BFH folgte aus § 12 Nr. 1 S. 2 EStG ein Aufteilungs- und Abzugsverbot für Aufwendungen, die sowohl der privaten Lebensführung dienen als auch den Beruf bzw. Betrieb des Steuerpflichtigen fördern.
Die Aufteilung von gemischt veranlassten Reisekosten, insbesondere die Kosten der An- und Abreise, hatte der BFH bisher mit der Begründung abgelehnt, die Kosten seien nicht leicht und eindeutig abgrenzbar.
Eine Ausnahme vom Aufteilungs- und Abzugsverbot war nach der BFH-Rechtsprechung möglich, wenn und soweit sich der dem Beruf dienende Teil der Aufwendungen objektiven Maßstäben mit Sicherheit und leicht abgrenzen ließ.

Der Große Senat des BFH hat das allgemeine Aufteilungs- und Abzugsverbot für gemischt veranlasste Aufwendungen aufgegeben (21.09.2009-GrS1/06). Weder der Gesetzeswortlaut noch der Gesetzeszweck erfordern ein Aufteilungsverbot.

Abgeleitet aus dem objektiven Nettoprinzip und dem Veranlassungsprinzip gilt hinsichtlich gemischt veranlasster Reisekosten vielmehr Folgendes:

Aufwendungen für die Hin- und Rückreise bei gemischt beruflich (betrieblich) und privat veranlassten Reisen können grds. in abziehbare Werbungskosten (Betriebsausgaben) und nicht abziehbare Aufwendungen für die private Lebensführung nach Maßgabe der beruflich und privat veranlassten Zeitanteile aufgeteilt werden, wenn die beruflich veranlassten Zeitanteile feststehen und nicht von untergeordneter Bedeutung sind.

Bei Reisekosten kann auch ein anderer Aufteilungsmaßstab anwendbar sein oder von einer Aufteilung abgesehen werden, wenn die verschiedenen Veranlassungsbeiträge unterschiedliches Gewicht haben.

Die Finanzverwaltung hat zu den neuen Rechtsprechungsgrundsätzen mit BMF-Schreiben vom 06.07.2010 (BStBl. I 2010,614) Stellung genommen. Wesentliche Eckpunkte sind:

  • die betriebliche/berufliche Veranlassung muss umfassend dargelegt und nachgewiesen werden,
  • eine 10%-Grenze beim Veranlassungszusammenhang,
  • objektive Aufteilungsmaßstäbe müssen feststellbar sein, wie Zeit-, Mengen- oder Flächenanteile oder Kopfzahl,

sowie weitere Kriterien.

Bei gemischten Aufwendungen empfiehlt es sich daher bzw. ist darauf zu achten, die betrieblichen bzw. beruflichen Gründe (Veranlassungszusammenhänge) sowie Anhaltspunkte für eine Aufteilung des Aufwands zu dokumentieren und entsprechende Belege zu sammeln.

Von Uwe Curdt, Dipl.-Kfm., Steuerberater, Fachberater für den Heilberufe Bereich (IFU/ISM gGmbH)

Uwe Curdt ist Steuerberater und Partner bei RENNEBERG + PARTNER, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte, mit Büros in Göttingen, in Gleichen und in Hamburg.